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  • haendcheninhand

"Elternschule" vs gesunder Menschenverstand


Nun will ich mich auch mal zur Grimmepreisnominierung des Dokumentarfilmes Elternschule äußern. Es wird ein Weckruf, also bitte alle, die weiter schlafen wollen, hier aufhören.

Wir müssen eigentlich gar nicht mehr fragen, ob wir das dürfen! Ob wir das mit unseren Kindern tun dürfen, was in diesem furchtbaren Film gezeigt wird. Natürlich dürfen wir das nicht! Es regen sich immer alle über Esoteriker auf, z.B. über Ryke Geerd Hamer, der die sogeanannte Neue Medizin gegründet hat, in der alle Krankheiten auf Konflikte zurückzuführen sind. Genau diese von ihm beschriebenen Konflikte werden zum Beispiel unter anderem in der Elternschule als Diagnosen verwendet. Die menschenunwürdige und grausame Form der Therapie schustert man sich dann selbst zurecht und fertig ist die Grundlage für den Film, den alle Eltern gesehen haben sollten. Im Ernst?


Hier wird uns uralter Kram immer und immer wieder aufgetischt. Wir lassen uns durch eine unkritische Medienberichterstattung zurück locken in die Zeiten der schwarzen Pädagogik, in die Zeiten von Johanna Haarer und ihrer Deutschen Mutter. Da schreit niemand auf. Es ist ja fein neu verpackt worden und wir haben ja eh alle Probleme mit unseren Kindern, essen wir also, was uns von Rundfunkstationen, Zeitung und Co vorgesetzt wird. Denken wir dabei daran, wie sich die Kinder als Erwachsene einmal fühlen werden, wenn sie im Moment ihrer größten Not so gezeigt werden? Wenn sie sich sehen, wie jedes ihrer Gefühle, jeder ihrer angeborenen Instinkte einfach übergangen wird und wie sie so gedemütigt werden? Ich hoffe nicht, denn umso weniger könnte ich diese Form der medialen Lobpreisung für diese Klinik und den so angeblich so wertvollen Film verstehen. Diese Einrichtung gehört geschlossen und nicht ins öffentlich rechtliche Fernsehen, für das wir auch noch Rundfunkgebühren bezahlen müssen und so solche Machenschaften gezwungen sind zu unterstützen. Es ist ein Graus.


Aktuell befinden wir uns in einem Übergang, wir leben in einer Gesellschaft die sich teilt zwischen denen, die endlich auf ihr Herz hören und auch wenn es schmerzhaft ist, ihre eigenen Themen aufarbeiten um Dinge anders zu machen, besser und liebevoller zu gestalten und zwischen denen, die ihren eigenen Schmerz nicht fühlen und annehmen wollen , ihn hinter Fassaden und dicken Mauern, weit hinten im Unterbewusstsein lagern und solche Sachen gut heißen, weil es ihnen selbst nicht besser erging. Lasst uns dies verändern. Jeder Mensch hat eine Chance auf ein befreites und bewusstes Leben verdient, jeder Mensch hat es verdient mit seiner Vergangenheit aufzuräumen und frei und unbelastet in die Zukunft zu gehen. Wir haben als Eltern alle etwas besseres verdient, als uns diesen Film anzusehen.


Diese Klinik propagiert mit einer Selbstverliebtheit das Bild vom bösen, aufrührerischen Kind, dass es einem in der Seele wehtun muss. Die Beschränktheit der dort tätigen "Therapeuten" und "Ärzte" (beides muss ich in Anführungszeichen setzen, da es eigentlich eine Beleidigung für beide Berufsstände darstellt) und deren übersteigertes Ego lassen keinen Zweifel zu. Das Kind ist manipulativ, die Eltern sind zu schwach und einziges Mittel ist noch mehr Härte und Disziplin. Klingt für mich mehr nach Armee und Kaserne als nach einem Ort, wo ratlose und somit ausgelieferte Eltern Hilfe suchen und noch glauben diese zu finden. Klar, funktioniert das am Anfang, klar funktioniert Druck, klar kann ich Kleinkinder so lange quälen, dass sie irgendwann aufgeben, klar kann ein Erwachsener einen so jungen Menschen einschüchtern und mit physischer Gewalt unterdrücken und einengen. Aber um welchen Preis? Um den Preis der Würde des kleinen Menschen, um den Preis dessen Selbstbestimmung, um den Preis der Vertrauensbasis zwischen Eltern und Kind, um den Preis der Selbstermächtigung der Eltern, ihren ganz eigenen und individuellen Weg zu finden, um den Preis des Urvertrauens, um den Preis des Selbstvertrauens, um den Preis der Freiheit!


Erwacht aus eurer Expertenhörigkeit und hinterfragt verdammt noch mal auch das, was jemand sagt, der einen Kittel anhat oder mit einem Studium daherkommt. Mensch, ihr habt zum Teil selbst studiert! Denkt mal zurück, hat euch dieses Studium Antworten auf alle Fragen der späteren Berufspraxis gegeben, hat es euch mit allen Wassern gewaschen für den ersten Arbeitstag? Also mich nicht! Denkt ihr, das ist mit dem Medizin- oder Psychologiestudium anders? Denkt ihr, nur weil das dort Ärzte sind, ist es gut, dieselben menschenverachtenden Methoden im Gießkannenprinzig für alle Kinder, die dort hinkommen, anzuwenden. Für jedes Kind, das seine eigene Geschichte hat, dessen Eltern ihre eigene Geschichte haben? Bitte wacht auf! Hört auf euer Bauchgefühl, findet euer Bauchgefühl, findet euer Herz! Möchte nicht jede Mutter ihr weinendes Kind in den Arm nehmen und trösten, möchten nicht alle Eltern, dass es ihren Kindern gut geht? Wohl deshalb brechen auch so viele Eltern die Behandlung in der Klinik dort ab. Wohl deshalb gibt es so viele Erfahrungsberichte, dass heutige Erwachsene zutiefst verstört und traumatisiert wurden aber sicher nicht geheilt worden sind. Man muss nicht alles mit sich machen lassen, man darf auch mal NEIN sagen. Wenn du dein Kind in den Arm nehmen willst, nimm es in den Arm!


Es steht im Raum die Kinderrechte in die Verfassung aufzunehmen und somit die Verfassung zu ändern. Man geht ja davon aus, dass Kinder auch Menschen sind und dass daher die Menschenwürde schon automatisch mit für die Kinder zählt. Falsch gedacht. Wenn dieser Film für den Grimmepreis nominiert werden darf, stelle ich mir die Frage, wo da die Hüter der Kinderrechte sind, von denen jedes einzelne auf sträfliche Weise gebrochen wird. Wo sind sie? Auch die Kollegen äußern harsche Kritik am Vorgehen der Gelsenkirchener Klinik . Warum tut niemand was? Warum lassen wir zu, dass immer mehr Kinder dort nachhaltig traumatisiert werden?


Und das dann noch Elternschule zu nennen, ist wirklich die Höhe. Da werden Eltern wie kleine Kinder behandelt. Und sie lassen es sich auch noch gefallen. Als ob Menschen nicht seit Jahrtausenden Eltern waren, als ob sie keine Ahnung hätten. Dabei sind es oft gesellschaftliche Zwänge, die überhaupt erst dafür sorgen, dass manche Eltern sich nicht mehr zurechtfinden. Wenn beide Eltern voll berufstätig sind, die Kinder die meiste Zeit in der Kita oder der Kindergrippe verbringen, und dort vielleicht Situationen nicht verarbeiten können, wenn Kinder ein Geburtstrauma erlitten haben, das nicht aufgearbeitet wurde, weil niemand die Eltern darauf hingewiesen hat. Ja selbst ein KISS kann Ursache von unerklärlichem Verhalten sein, auch die Ernährung, die Medikamente, denen Kinder teilweise bereits vor und unter der Geburt ausgesetzt sind, könnten ihren Teil zur Gesamtsituation beitragen, genau wie zahlreiche Umweltgifte und ein Lebensstil für den unser Körper und unsere Psyche gar nicht gemacht sind (siehe Schlagwort veränderte Kindheit zum Beispiel). All das muss nicht verändert werden, nein, sind wir ja so gewöhnt. Es wird in dieser Klinik allein, und zwar wirklich allein auf dem Rücken der Kinder versucht all das zu flicken, was die Gesellschaft, die Politik und die Eltern nicht hinbekommen haben und das noch mit den scheußlichsten Methoden, die man sich nur ausdenken kann.


Alle schauen zu kreativen Menschen auf, zu Stars und zu Künstlern, zu Schriftstellern und zu Wissenschaftlern. Glauben wir, dass aus Ihnen das geworden wäre, was sie heute sind, wenn man sie in so ein enges Korsett aus Regeln, falschen Glaubenssätzen, Ungerechtigkeit und Gemeinheit eingepresst hätte? Glauben wir, die Ärzte dort würden das mit ihren eigenen Kindern so machen? Glauben wir, dass ein wirklich freies, glückliches und gesundes Kind aus so einer Behandlung hervorgehen kann? Glauben wir, dass es irgendein Kind verdient hat, so behandelt zu werden? So lächerlich gemacht zu werden in seinen Bedürfnissen und seiner Wut? Kinder spiegeln meist ihr Umfeld. Ihre Ängste sind unsere Ängste, ihre Verhalten ist das Verhalten, das wir uns nicht zugestehen, ihre Wünsche sind unsere Wünsche. Das sollten wir beherzigen und dafür im Alltag einstehen, auch wenn der Kollege, der Nachbar, der Lehrer oder der Erzieher im Kindergarten etwas anderes sagt. Wir müssen alles prüfen. Wir müssen alles hinterfragen. Wir müssen recherchieren, Studien anschauen, uns einfach schlau machen, wenn wir spüren, dass etwas nicht stimmen könnte.


Wir wollen freie, selbstbestimmte und fröhliche Kinder und wenn das in dieser Gesellschaft nur unter Tabletten oder mit Zwangsmaßnahmen zu schaffen ist, sollten wir vielleicht mal darüber nachdenken, ob mit unseren aktuellen Systemen etwas nicht stimmt. Warum haben denn die freien Schulen und die alternativen Kindergärten so lange Wartelisten, vielleicht haben die es trotz der vielen Witze, die man über sie macht, verstanden, was man besser machen kann. Und ich glaube, tief in uns haben wir alle schon längst verstanden, was man besser machen kann. Wir brauchen nur den Mut aufzustehen und dafür zu gehen, was unser Herz zum Leuchten bringt. Dieser Film ist es auf jeden Fall nicht und ich gestehe es jetzt am Ende des Posts ehrlich, ich habe ihn nicht mal gesehen. Ich konnte einfach nicht. Der Trailer hat mir schon gereicht...


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